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Das Magazin Pferde Fit&Vital erscheint seit 2002 im Frühjahr und Herbst und informiert über die gesunde Haltung, Pflege und Pferde-Medizin.

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Natürliche Sauberkeit




Lederpflege zu Beginn der neuen Saison

Das Leder ist steif, klamm, stumpf und setzt an einigen Stellen sogar Schimmel an. Nässe und Kälte der vergangenen Monate haben Sätteln und Trensen sehr zugesetzt. Nun muss das Leder für die
kommende Outdoor-Saison wieder gepflegt werden.

Leder gehört zu den ältesten Verbrauchsmaterialien der Welt. Schon in der Frühzeit etwa 3000 v. Chr. - spannte man  einfach eine Haut zum trocknen auf und konservierte sie mit Rauch. Aus dieser simplen Form haben sich bis heute verschiedene Gerbverfahren entwickelt: Die Fettgerbung mit natürlichen oder synthetischen Fetten, die pflanzliche Gerbung – ein sehr langwieriges und fast aussterbendes Verfahren – und die mineralische Gerbung, dass heute am weitesten verbreitete Gerbverfahren. Mit der Einführung dieser mineralischen Gerbung Mitte/Ende des 19. Jahrhundert verkürzte sich die Gerbdauer auf wenige Tage und ermöglichte so die Industrialisierung in der Lederherstellung.
Leder, von Natur aus sehr strapazierfähig und langlebig, bleibt auch nach der Bearbeitung ein Naturprodukt mit allen typischen Unregelmäßigkeiten durch Narben und Pigmentfehler. Und es reagiert auf Sonne, Regen, Kälte, Sand und Schmutz. Gerade Sättel, Zaumzeug und Reitstiefel sind starkem Verschleiß ausgesetzt.
Ein guter Sattel ist ein Sattel mit langer Lebensdauer. Ist er erst einmal eingeritten und wird regelmäßig gepflegt, wird aus einem guten Sattel ein sehr guter Sattel. Er leidet nicht durch langen Gebrauch, er wird geschmeidig und bequem.

Synthetik für Natur
Meist entstehen aber Probleme nicht durch zu wenig Pflege, sondern durch falsche Pflege. Wer sich nicht genau auskennt, weiß oft gar nicht um welche Art von Leder es sich handelt, ob und womit es schon vorbehandelt ist. Eine Nachfrage beim Händler kann in solchen Fällen sehr hilfreich sein, denn die Auswahl an Pflegemitteln ist groß und kaum überschaubar.
Grundsätzlich aber gilt: Regelmäßig sollte der Sattel feucht – nicht nass – abgewischt werden. Bei sichtbaren Verschmutzungen wird das Leder mit diesem milden Reiniger gereinigt. Wenn der Schmutz in der Tiefe der Narbung sitzt, verwendet man zusätzlich eine weiche Lederreinigungsbürste. Je nach Nutzung muss der Sattel alle 3 bis 6 Monate mit einem Lederschutz – einer Pflegemilch - konserviert werden, damit das Leder geschmeidig und weich bleibt.
Im Handel gibt es viele verschiedene Pflegemittel in den verschiedensten Preislagen. Die Wirkung eines Pflegemittels lässt sich im Zweifel immer an einer verdeckten Stelle vorab testen.
Ein neuer Sattel braucht zunächst nur eine leichte Einfettung, ist er besonders wertvoll, sollte man eher hochwertigere Pflegemittel einsetzen. Synthetische Öle in diesen Pflegemitteln werden nicht ranzig und sind kein Nährboden für Bakterien und Schimmel. Pflegeprodukte mit synthetischen Ölen, Fetten und zusätzlichen UV-Filtern sind im Allgemeinen teurer, aber auch wesentlich wirksamer. Die Wirkung ist intensiver und die Inhaltsstoffe sind speziell auf die typischen Schwachstellen der verschiedenen Lederarten abgestimmt.

Grauschleier und Schimmel
Einige Pflegemittel verursachen einen Grauschleier nach dem Trocknen. Die Ursache solcher Grauschleier liegt meist im zu dicken Auftrag der Pflegemittel. Also auch hier ist weniger manchmal mehr und der Grauschleier lässt sich problemlos mit einem feuchten Lappen entfernen.
Entsteht der Grauschleier aber nach dem Biegen und Strecken des Leders, wird es schwieriger, denn die Ursachen dieser Grauschleier sind zu wachshaltige Pflegemittel. Man kann dieses ganz einfach mit einem Haarfön testen. Den Fön nicht zu heiß auf das Leder richten. Verschwindet der Grauschleier, dann liegt das am schmelzenden Wachs. Leider verschwindet diese Art Grauschleier nur für kurze Zeit. Nach dem Erkalten entsteht er sofort von neuem. Die verfärbte Oberfläche muss mit einem Reiniger wieder sorgfältig gesäubert und anschließend neu gepflegt werden. Pflegemittel, die diesen Grauschleier erzeugen, sollte man nicht mehr verwenden.
Gerade nach den nassen und kalten Wintermonaten haben Sättel oder Trensen manchmal einen Belag oder nehmen einen unangenehmen Geruch an. Meistens ist Schimmel die Ursache, der durch falsche Lagerung des Leders entstanden ist. Idealerweise sollte Leder bei Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent gelagert werden, wobei auf ausreichende Luftzirkulation zu achten ist. Luftfeuchtigkeit von dauerhaft mehr als 70 Prozent, zu hohe Raumtemperatur und mangelnder Luftaustausch begünstigen das Wachstum von Pilzen und Bakterien stark.
Essig-Essenz ist ein ideales Produkt zur Reinigung der von Schimmel befallenen Lederoberfläche. Leder ist nach der Gerbung sauer eingestellt. Mit der Zeit verschiebt sich der pH-Wert, und das Leder wird dadurch sogar etwas instabiler. Die Korrektur des pH-Wertes ist daher sogar eine typische, empfohlene Maßnahme bei älteren Ledern. Somit pflegt man das Leder sogar noch zusätzlich, wenn man mit Essig-Essenz den Schimmelsporen zu Leibe rückt.
Man mischt die handelsübliche, transparente Essig-Essenz-Lösung (25%ige Essigsäure) mit der gleichen Menge Wasser. Der saure pH-Wert des Essigs entzieht dem Schimmel die Lebensgrundlage. Das ist wichtig, da man mit einer Reinigung alleine niemals alle Sporen wirklich entfernt.
Wichtig nach der Behandlung ist die entsprechende Nachpflege. Insbesondere auf pflanzlichen und tierischen Fetten und Ölen basierende Pflegemittel bergen das Risiko, wie ein aufgetragener Nährboden für den erneuten Befall zu wirken. Daher ist die Pflege mit synthetischen Produkten geeigneter. Flüssige Pflegemilch dringt gut ins Leder ein und gibt ihm die notwendige Rückfettung und Feuchtigkeit. Die zusätzlich enthaltenen Antioxidantien reduzieren den Abbau des Leders. Lederfett kommt nur zusätzlich bei besonders trockenen oder bei weiterhin ungünstigen Lagerbedingungen zum Tragen. Es ist ein festeres Produkt und versiegelt die Oberfläche stärker. Beide Produkte sind sehr intensiv und eine regelmäßig sparsame Anwendung ist immer besser als ein intensives "Einlassen" nach längeren Perioden. Hat man diesen Aufwand einmal hinter sich, sollte man sich bei zukünftigen Überwinterungen um eine verbesserte Lagerbedingung kümmern. Es ist nicht notwendig, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu messen, aber eindeutig falsche Lagerorte und Bedingungen sollten auf jeden Fall vermieden werden.

Hausrezepte
Immer wieder machen ‚Geheimtipps’ zur schnellen Lederpflege die Runde: von Nivea-Milch über Vollmilch bis Rizinusöl und Olivenöl soll alles helfen. Diese Geheimrezepte nutzen den wertvollen Ledern nicht viel. Die zerstörende Wirkung von Fetten und anderen Flüssigkeiten, die im Leder ranzig werden, sollte man nicht unterschätzen. Es gibt umfangreiche Studien über die schädliche Wirkung von Nahrungsmittelfetten auf Leder. Die früher pflanzlich gegerbten Leder im Sattel- und Schuhbereich waren sehr dick, robust und konnten mit fast allem gefettet werden. Die Imprägnierung durch Fett stand im Vordergrund. Bevor das "Geheimrezept" negative Wirkungen zeigen konnte, war die Lebensdauer des Sattelzeugs oder der Schuhe schon beendet. Die heutigen Leder sind dünner, weicher und anders gegerbt. Sie benötigen eine abgestimmte Pflege. Im Fachhandel werden die verschiedensten Pflegemittel angeboten und im Zweifel sind diese besser als jedes Geheimrezept.