Fit auf dem Pferd
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Reiten verbessert die Fitness – Fitness verbessert das Reiten. Ein gut konditionierter, ausbalancierter Reiter sitzt besser auf dem Pferd, gibt deutlichere Hilfen und wird leichter mit Stürzen fertig. Fitness- und Muskeltraining ermöglichen flexibles und wirkungsvolles Reiten.
Warum Fitnesstraining?
Ist Reiten nicht schon Sport genug? Das hängt vom Anspruch ab. Reiten trainiert den unteren Teil des Körpers (Bauch, Becken, Beine) mehr als den oberen Teil (Brust, Arme, Schultern, Rücken). Fitness- und Muskeltraining gleicht die Unregelmäßigkeiten aus. Wenn die Schulter- und Rückenmuskulatur gut ausgebildet ist, entsteht eine einwandfreie und sichere Haltung auf dem Pferd wie von selbst. Ein weiterer schöner und wichtiger Nebeneffekt: Fitness- und Muskeltraining fördern die Balance und Koordination. Und zu guter Letzt hilft das eigene Training, das Pferd besser zu verstehen.
Sechs gute Gründe für Fitness- und Muskeltraining
1. Starke Rücken- und Bauchmuskeln und ein ausbalancierter Körper machen es dem Reiter leichter, beispielsweise im Galopp im Takt zu sitzen oder die richtige Position über Sprüngen zu halten.
2. Durch Fitness- und Muskeltraining werden die eigenen Muskeln und ihre Funktionen spürbar. Gut trainierte Muskeln können einzeln oder in speziellen Muskelgruppen eingesetzt werden und verhelfen so zu mehr Geschicklichkeit. Das bedeutet wiederum: effektivere Beinarbeit und eine weiche, gefühlvolle Reiterhand. Außerdem fällt es trainierten Reitern leichter, mit dem Sitz das Tempo und die Schrittlänge des Pferdes zu beeinflussen.
3. Starke elastische Muskeln, Bänder und Sehnen sind weniger anfällig für Verletzungen. Durchtrainierte Reiter fallen außerdem nicht so leicht vom Pferd, weil sie über gute Koordination verfügen. Und falls sie doch einmal stürzen, hilft ihnen diese, den Sturz abzufangen und sicher auf der Erde zu landen.
4. Fitnesstraining verbessert die Ausdauer und Disziplin. Viel beschäftigte Reiter fühlen sich oft zu lustlos, sich nach einem anstrengenden Tag noch aufs Pferd zu schwingen. Sportliche Reiter werden nicht so schnell müde und wer mit Disziplin das Fitnesstraining angeht, übernimmt die Konsequenz auch für andere Bereiche.
5. Sich der eigenen Fitness bewusst zu sein, fördert das Selbstvertrauen. Der Reiter weiß, dass er Stürze und schwierige Situationen körperlich aushalten kann und verliert die Angst.
6. Muskeltraining macht aus Verspannung Entspannung. Und wer entspannt ist, kann sich voll auf sein Pferd und das Reiten konzentrieren.
Sinnvoll trainieren
Klingt gut? Dann ran ans Training. Doch bitte nicht gleich „volle Kraft voraus“ üben. Wie Pferde müssen auch Reiter sich erst aufwärmen und die Muskulatur lockern, damit es nicht zu Verletzungen kommt. Nach dem Training brauchen die Muskeln Zeit, sich zu erholen und auszubilden. Wenn die Übungen langsam ausgeführt werden, wird die Muskulatur effektiver trainiert.
Fitnessexpertin Christine Weiß ist Inhaberin des Therapie- und Trainingszentrums „3motion“ und unter anderem Physiotherapeutin und lizensierte Rückenschulleiterin. Sie erklärt: „Prinzipiell gilt: Trainieren kann man immer und überall. Man braucht nicht einmal ein Hilfsmittel und wenn doch, kann man sich diese aus Alltags-Dingen selbst zusammenstellen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Ob mit einer Wasserflasche, Büchern, Ordnern oder einfach nur einem Päckchen Taschentücher – alles ist möglich.“
So wird das Training zum Erfolg
Wer das Training zu verbissen sieht, verliert sicher bald den Spaß daran. Kleine, realistische Ziele stecken, um sich selbst mit Erfolg zu motivieren und Verletzungen und Erschöpfung zu vermeiden. Einsteiger können unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten ausprobieren, um die passende und Spaß bringende Sportart für sich zu finden. Manche gehen lieber ins Fitnessstudio oder besuchen Gymnastikkurse. Andere trainieren lieber für sich alleine. Einige Sportarten wie Walking, joggen oder Rad fahren können in Gruppen oder solo betrieben werden. Es gibt viele unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten, die Freude machen.
Kreativität ist gefragt
„Seien Sie kreativ“, rät Christine Weiß. „Wenn sie einen bestimmten Sport mal nicht ausüben können, machen Sie etwas anderes. Hält beispielsweise Regen Sie vom Joggen ab, machen Sie Seilspringen. Sind Sie auf Reisen, nutzen Sie den Hotel-Fitnessraum, steigen Treppen oder machen Gymnastik im Hotelzimmer. Ausreden gibt es keine - Möglichkeiten gibt es immer.“
Nicht aufgeben
Durchhalten ist alles, damit das Training später wie von selbst läuft. Wer in das Fitness-und Muskeltraining einsteigt, sollte sich selbst versprechen, nicht aufzugeben. Wenn die Motivation fehlt, hat man vielleicht noch nicht die geeignete Sportart für sich entdeckt. Einsteiger sollten so lange mit Sportarten experimentieren, bis sie für sich den richtigen Weg gefunden haben. Oft kann ein Profi den Anstoß geben.
Wer sportlich fit ist, kann das Reiten und den Umgang mit dem Pferd noch mehr genießen. Claudia Wichtmann
Lesen Sie den gesamten Artikel mit Übungsanleitungen in der Ausgabe der Pferde Fit&Vital 2/2010.






