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Das Magazin Pferde Fit&Vital erscheint seit 2002 im Frühjahr und Herbst und informiert über die gesunde Haltung, Pflege und Pferde-Medizin.

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Pferde scheren im Winter




Sobald der Herbst Einzug hält und es früher dunkel wird, fangen Pferde an, Winterfell zu entwickeln. Damit stellt sich die Pferdenatur allmählich auf die kalten Tage ein. Für das Pferd ist das ein hoch entwickeltes Schutzsystem. Für den Reiter, der sein Pferd auch im Winter voll trainieren möchte, bedeutet es viel mehr Arbeit.


Geschorene Pferde brauchen besondere Fürsorge
Pferde mit dichtem Fell schwitzen schnell. Es dauert lange und ist aufwendig, sie zu trocknen. Und der gesunde Menschenverstand weiß: Ein aufgeheiztes und nasses Pferd ohne Nachsorge der Kälte auszusetzen, zieht ziemlich sicher Krankheiten nach sich.

Manche Reiter möchten aus diesem Grund ihr Pferd scheren. Doch das bedeutet nicht nur Arbeitserleichterung, sondern auch Verantwortung. Schließlich ist das Scheren ein großer Einfluss auf die Natur und das natürliche Kälteschutzsys-tem des Pferdes. Wer sein Pferd scheren möchte, muss sich vorher Gedanken über das Trainingspensum im Winter machen. Für ein leichtes Wintertraining kann es ausreichen, das Pferd nur einzudecken, damit es nicht viel Fell entwickelt. Oder man entscheidet sich für eine Teilschur, dort wo das Pferd am meisten schwitzt (Hals, Flanken).

Die Pferdeschur hat einen klaren Vorteil für Reiter, die ihr Pferd im Winter voll trainieren möchten. Das Tier schwitzt weniger, und selbst wenn es schweißnass ist, trocknet es schnell wieder unter einer Abschwitzdecke oder einem Solarium.

Ohne Decke geht’s nicht
Ein geschorenes Pferd muss dem Wetter entsprechend eingedeckt sein. Bei kalten Temperaturen braucht es eine warme Decke, bei milderem Wetter eine dünnere. Im Idealfall prüft man einmal täglich das Wetter und entscheidet, welche Decke erforderlich ist. Auch bei entspannter Arbeit, wie zum Beispiel Aufwärmen oder Abkühlen im Schritt, verwendet man eine leichte Decke für das geschorene Pferd.

Mindestens drei Decken braucht ein Pferd mit großflächig geschorenem Fell: Eine leichte Decke für mildere Tage, eine warme Decke für nachts oder kalte Temperaturen und eine Abschwitzdecke, damit es nach dem Training schnell trocknet, ohne sich zu erkälten. Bei Minusgraden sollten geschorene Pferde Decken mit Halsteil tragen. Egal, welche Decke ein „nacktes“ Pferd trägt: Es darf nicht Regen und Zugluft ausgesetzt sein.

Die Vorbereitungen
Für eine Pferdeschur verwendet man eine Schermaschine für große Flächen. Wer Kopf und Beine des Pferdes scheren möchte, benutzt zusätzlich eine kleinere Maschine. Im Handel gibt es Schermaschinen speziell für Pferde. Vor Gebrauch muss die Maschine auf Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Spezielles Schmier-Öl hilft, dass die Scherblätter flüssig scheren und die Maschine nicht überhitzt. Mit einer kleinen Bürste oder Zahnbürste reinigt man die Scherblätter von Haaren und Schmutz.

Außerdem braucht man eine Decke, um die bereits geschorenen Stellen vor Zugluft zu schützen, weiße Kreide zum Vorzeichnen des Schermusters, eine weiche Bürste, um lose Haare zu entfernen, und eine Verlängerungsschnur für die Schermaschine.

Wer noch nie ein Pferd geschoren hat, sollte vorher jemandem über die Schulter schauen, der sich damit auskennt, bevor er selbst ans Werk geht. Es sieht leichter aus, als es ist. Tipps und Hilfestellung von Könnern sind arbeitserleichternd.

Zum Scheren des Pferdes sucht man sich einen ruhigen Ort, ohne Durchgangsverkehr, für ungestörtes und konzentriertes arbeiten. So muss man den Schervorgang nicht immer wieder unterbrechen und das Pferd steht ruhiger, wenn es nicht abgelenkt ist.

Ein Pferd zu scheren, kann über Stunden dauern. Nur ungern bleiben Pferde so lange ruhig stehen. Ein Helfer kann es festhalten und beruhigen. Mit einem gefüllten Heunetz, aus dem das Pferd in Kopfhöhe fressen kann, kann es sich die lange Wartezeit vertreiben.

 

So funktioniert’sDamit die Schermaschine nicht so schnell verschmutzt und das Fell sich leichter scheren lässt, sollte man vor dem Scheren das Pferd putzen. Mit der Kreide zieht man Linien um die Körperbereiche, die nicht geschoren werden sollen. In gleichmäßigen, langen Bahnen schert man dann gegen den Strich. Wenn die Bahnen überlappen, entstehen keine Kanten im geschorenen Fell. Manche Stellen lassen sich schwer scheren, weil die Haarstruktur anders beschaffen ist. Dann muss der Winkel der Scherblätter verstellt werden. Geschorenes Pferdefell ist gerade anfangs sehr kurz und stumpf. Das Fell im Sattelbereich sollte darum stehen bleiben, damit Sattel und Decke nicht auf der empfindlichen Pferdehaut scheuern. Dafür legt man den Sattel aufs Pferd und zieht mit der Kreide eine Linie herum. Ängstliche Pferde scherenPferde, die das Scheren nicht gewöhnt sind, haben oft Angst vor dem Geräusch der Schermaschine. Ungeübte Pferde sollte man schon lange vor der Schur an den Ton gewöhnen, indem man die Maschine immer wieder in der Nähe des Pferdes anstellt und kurz laufen lässt. Wenn es sich an das Geräusch gewöhnt hat, kann man mit der ausgeschalteten Schermaschine das Scheren imitieren, um das Pferd mit den Berührungen vertraut zu machen. Wird das Pferd mit Kraftfutter, Äpfeln oder sonstigen Leckereien während der Gewöhnung gefüttert, verknüpft es das Scheren positiv. Klassische SchermusterEs gibt unterschiedliche Muster für Pferdeschuren. Manche Pferdehalter scheren aufwendige Verzierungen in das Fell. Die Schur sollte jedoch im Sinne des Pferdes und des Trainings sein und nicht nur dem Auge dienen. Im Normalfall ist es nicht nötig, Kopf und Beine zu scheren. •    Für ein Pferd, das nur leicht im Winter arbeitet, eignet sich der Streifenschnitt. Hierbei sind nur Halsunterseite, Brust, Bauch und ein Teil der Hinterhand geschoren. Ein Pferd mit Streifenschnitt ist nicht so kälteempfindlich. •    Beim Hunterschnitt bleibt das Fell an Kopf, Sattellage und Beinen stehen, der Rest wird geschoren. Pferde mit Hunterschnitt sind kälteempfindlich. •    Manche Pferdehalter scheren ihr Pferd komplett, also auch an Kopf und Beinen. Das sieht schicker aus und ist hin und wieder bei Pferden, die auch im Winter aufs Turnier gehen, gesehen. Ein komplett geschorenes Pferd ist natürlich auch sehr kälteempfindlich. •    Vorsicht beim Kopf scheren: Die Tasthaare dürfen nicht geschnitten oder gar geschoren werden. Sie sind wichtig für die Wahrnehmung des Pferdes. Das Entfernen oder Schneiden von Tasthaaren ist zudem tierschutzrechtlich verboten. Die Haare in den Ohren schützen die Ohrmuscheln vor Dreck und Ungeziefer und sollten auch nicht geschoren werden. Text: Claudia Wichtmann, Journalistin, mit über 30jähriger Pferdeerfahrung, schreibt und veröffentlicht seit mehreren Jahren zahlreiche Artikel rund ums Pferd, betreibt eine erfolgreiche Pferdezucht.Fotos:    HIM/Streitferd, HIM/Schupp, HIM/Wentscher