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Das Magazin Pferde Fit&Vital erscheint seit 2002 im Frühjahr und Herbst und informiert über die gesunde Haltung, Pflege und Pferde-Medizin.

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Unter Dampf





Der Sommer bringt die schönen, aber auch heißen und feuchten Tage. Oft müssen Reiter und Pferd aus vielerlei Gründen in der Hitze trainieren. Es mag vielleicht überraschend sein, dass das Pferd dabei schneller überhitzt und unter Hitzestress leiden kann, als der Reiter.

 

Es braucht nur kurze Zeit intensive-ren Trainings bei heißem, feuchten Wetter, um die Körpertemperatur des Pferdes stark ansteigen zu lassen. Das geschieht viel schneller als bei Menschen. Pferde haben mit Hitze also mehr zu kämpfen.  Das kann ernste Folgen haben: Steigt die Körpertemperatur des Pferdes während des Trainings von der physiologischen Temperatur von 37 bis 38 Grad Celsius auf bis zu 41 Grad, kann die Temperatur der Muskulatur auf bis zu 43 Grad ansteigen. Bei derartig erhöhter Temperatur kann es zur Überhitzung des Pferdes kommen, was eine Degeneration der Muskel-Proteine zur Folge haben kann. Warum reagieren Pferde anders auf Hitze als Menschen? Die Gründe, warum Pferde stärker auf Hitze reagieren als Menschen, snd vielfältig. Im Vergleich zum Menschen steht dem Pferd weniger Körperoberfläche im Verhältnis zu seiner Muskelmasse zur Verfügung. Je weniger Körperoberfläche pro Muskelmasse vorhanden ist, umso eher staut sich die Wärme, da weniger Körperoberfläche zur Wärmeabgabe verfügbar ist. Pferde produzieren außerdem große Mengen an Schweiß, um die Hitze verdampfen zu lassen und abzukühlen. Sie können 15 bis 20 Liter Schweiß pro Stunde bei kühlem, trockenen Wetter produzieren und bis zu 30 Liter pro Stunde an heißen und feuchten Tagen. Doch nur 25 bis 30 Prozent davon verdunsten und kühlen so das Pferd effektiv. Der Überschuss an Schweiß fließt dann einfach nur den Pferdekörper herunter, ohne zu verdampfen und damit zu kühlen. Zum Vergleich: Beim Mensch verdunstet bei körperlicher Anstrengung bis zu 50 Prozent Schweiß und trägt so zur Kühlung des Körpers bei. Kostbares SalzDas Salz im Pferdeschweiß ist wesentlich höher konzentriert als im menschlichen Schweiß. Der starke Schweißverlust des Pferdes bedeutet daher auch hohen Flüssigkeits- und Salzverlust im Körper, was zur Dehydrierung führen kann. Salz enthält auch Mineralien, sogenannte Elektrolyte. Ein dehydriertes Pferd braucht also mehr als nur Wasser, auch die Elektrolyte müssen dem Körper wieder zugeführt werden. Reines Wasser verdünnt nur die Körperflüssigkeit, gibt dem Pferd aber nicht das wieder, was es benötigt. Training an heißen TagenDer wichtigste Schritt im Sommertraining ist, das Pferd mit genügend Flüssigkeit und Elektrolyten zu versorgen. Wer mit seinem Pferd bei heißem Wetter viel und intensiv arbeitet, kann es an eine Elektrolyt-Lösung gewöhnen, die dem Trinkwasser beigefügt wird. Damit sich das Pferd an den Geschmack gewöhnt, sollte man mit einer kleinen Menge starten und sie allmählich erhöhen, bis die Hersteller-Empfehlung erreicht ist. Elektrolyt-Lösungen dürfen nicht überdosiert werden, da sie sonst dem Körper wieder Flüssigkeit entziehen. Viele Reiter trainieren mit ihren Pferden morgens oder abends, wenn es kühler wird. Doch Turnierpferde müssen an die Hitze gewöhnt werden, da viele Prüfungen tagsüber in der Wärme stattfinden. Pferde, die an heiße Temperaturen gewöhnt sind, können mehr Hitze durch Schwitzen abtragen. Hinzu kommt, dass der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichener ist, weil sie mehr trinken. Abkühlung verschaffenEin körperlich aufgeheiztes Pferd kühlt am besten ohne Decke im Schatten ab. Um die Abkühlung zu beschleunigen, kann man das Pferd mit einem nassen Schwamm mehrmals abwaschen. Dabei wird das Restwasser mit einem Schweißmesser aus dem Fell gezogen. Überstehendes Wasser bleibt sonst im Fell hängen und wärmt sich auf. Mit mehrmaligem Wiederholen dieses Vorgangs bleibt der Kühlungsprozess in Gang und die Körpertemperatur des Pferdes reduziert sich innerhalb kurzer Zeit. Das überhitzte Pferd sollte nicht unvermittelt am ganzen Körper mit dem Wasserschlauch abgespritzt werden. Sonst kann es zum Kreislaufkollaps kommen. Wer auf die kühle Dusche für sein Pferd nicht verzichten möchte, fängt vorsichtig an den unteren Gliedmaßen an, kühlt weiter nach oben und duscht das Pferd langsam über die Kruppe nach vorne ab. Text: Claudia WichtmannJournalistin, mit über 30jähriger Pferdeerfahrung, schreibt und veröffentlicht seit mehreren Jahren zahlreiche Artikel rund ums Pferd, betreibt eine erfolgreiche PferdezuchtFotos: Klee